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Kopfwand-Kante - eine emotionale Tour

  • hartmutdoerschlag
  • 1. Aug. 2023
  • 3 Min. Lesezeit

2023-07-31

mit Hannah ...

Der heutige Tag hatte schon von vornherein Potential für Emotionen. Nicht, weil ich nach 2 Wochen Gürtelrose endlich wieder einmal ausrücken kann. Schon eher deshalb, weil es die erste alpine Klettertour mit Hannah, meiner Mittleren, werden würde. Aber ganz besonders deshalb, da exakt heute vor 40 Jahren meine Eltern tödlich verunglückt sind. Und das genau in dieser Tour, die wir heute gehen werden.

Da ich mich noch nicht 100%ig fit fühle, wählen wir den scheinbar kürzeren Zustieg vom vorderen Gosausee aus (und nicht den über Filzmoos). Scheinbar deshalb, weil es der längere ist, wie sich raus stellt. Wissen wir das also jetzt auch... Die Anfahrt erfolgt mittels 125ige Roller - für Hannah die größte Freude, die ich ihr machen kann. Vom Gosausee gehts den Linzer Weg hinauf, vorbei an der Scharwand-Hütte. Erinnerungen werden wach, bin ich die Tour doch mit meinem Vater genau eine Woche vor dem Unfall geklettert, und da haben wir mit 2 Freunden von ihm, die ebenfalls mit dabei waren, in dieser Selbstversorgerhütte übernachtet. Der Weg zieht sich mächtig, aber die Gegend ist unglaublich schön. Immer wieder schweifen die Gedanken 40 Jahre zurück.

Endlich zweigen wir vom Linzer Weg ab. Weglos geht es rauf Richtung Einstieg. Die letzten 100m zum Einstieg sind schon ein bissl zum Kraxln. Ich bin unglaublich froh, mit den Kindern viel unterwegs gewesen zu sein, sodass ich weiß, dass Hannah den ausgesetzten und durchaus anspruchsvollen Zustieg gut meistert. Einstieg. Nochmals kurz die Seilkommandos erklärt: Stand, Seil frei, Seil ein, nachkommen, ich komme. Ich steige los. die Tour ist, im Gegensatz zu 1983, nun mit Bohrhaken gesichert. Aber sie ist teilweise brüchig, was meinem Vater zum Verhängnis wurde. Stand. Hannah kommt nach. Zweite Seillänge. Hier ist mein Vater nach einem Griffausbruch gestürzt und hat meine Mutter und deren Freundin mit runter gerissen. Nach ca. 200m freiem Fall sind sie im Schotterfeld aufgeschlagen... Ich mache Stand, Hannah kommt nach. Die Tour wird nun wesentlich kompakter. Die Kletterei im IV. Grad ist nicht schwer und macht unheimlichen Spaß. Vor 2 Jahren bin ich das mal ungesichert geklettert. Da ist man noch wesentlich mehr im Kletterfluss und klettert fast in einer Art Trance. Der Blick runter zum hinteren Gosausee ist atemberaubend. Knapp 1000m geht es runter zu diesem tiefblauen See. Nach etwa 1 1/2 Stunden sind wir oben. Ausbinden, eine Kleinigkeit essen, die Gegend genießen, fotografieren. Wir genießen die Zeit zusammen und freuen uns über die tolle Schöpfung. Der Däumling lacht herüber. Schon etliche Male bin ich die Ostkante geklettert. Über anspruchsvolles Gelände geht es nun wieder runter zum Linzerweg. Beim Abstieg schauen wir noch bei der Gedächtniskapelle vorbei, in der alle im Gosaukamm tödlich verunglückten Bergsteiger aufgelistet sind. Bis vor 2 Jahren endete die Auflistung im Jahre 1982. Meine Eltern waren somit gerade nicht mehr dabei. Stefan Steiner aus Radstadt hat sich dann dahinter geklemmt und versucht, die Lücke bis zur Gegenwart zu schließen. Trauriger Anlassfall war der Tod seines 20-jährigen Sohnes an der Bischofsmütze.

Komplett verschwitzt kommen wir runter zum Gosausee. Schnell umziehen und rein in das glasklare Wasser. Das Panorama ist schon fast kitschig. Kein Wunder, dass diese Gegend mit Urlaubern geradezu geflutet wird.

Nach einer Viertelstunde sitzen wir wieder am Roller. Ich spüre förmlich, welchen Spaß Hannah hinten am Sozius hat.

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Ausgangspunkt: Vorderer Gosausee. Im Hintergrund der Dachstein

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Mandlkogel - ein Berg mit Geschichte. 1913 verunglückte hier Paul Preuß

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Zustieg zum Einstieg

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ab der 3. SL immer wieder sehr kompakter Fels und somit großartige aber nicht allzu schwere Kletterei

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Knapp 1000Hm schaut man zum Hinteren Gosausee runter

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Blick zur Adamekhütte (knapp links der Felskante)

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Im Hintergrund die Kopfwandkante

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Die Gedächtniskapelle. Im Hintergrund die Kopfwand

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